Sitzplatz Finder

Konkreten Umsetzungsideen zur Wahl und Gestaltung des Sitzplatzes von Kindern mit Konzentrationsschwäche, differenziert nach Zyklus 1 und Zyklus 2.

Eckdaten

Schulstufen/n: Zyklus 1 und 2

Lehrplanbezug: Überfachliche Kompetenzen

 

Digitalisierung Bildung; KI Bildung, Digitale Bildung, Kompetenzzentrum; KI; Bildungsforschung, Schule, Sitzplatz Finder Bildquelle: KI-generiert mit ChatGPT (OpenAI), 2026

Umsetzung

Grundprinzipien (beide Zyklen)
Die folgenden Prinzipien gelten unabhängig von der Pultform und der Anordnung im Raum. Sie sind Leitplanken, keine starren Regeln. Wichtig ist, dass sie zusammen mit der Klasse, dem Raum und der eigenen Arbeitsweise gedacht werden.

Nähe zur Lehrperson, dort wo sie tatsächlich arbeitet
Der Bezugspunkt ist nicht automatisch die vordere Reihe, sondern der Ort, an dem sich die Lehrperson häufig aufhält. Wer viel hinten oder seitlich im Raum arbeitet, setzt das Kind entsprechend in die Nähe dieses Standorts. Entscheidend ist, dass ein kurzer Blick, ein ruhiges Wort oder eine Hand auf der Schulter jederzeit unauffällig möglich ist.

Gute Sichtachsen in beide Richtungen
Das Kind sieht Tafel und Lehrperson, ohne sich drehen zu müssen. Umgekehrt hat die Lehrperson das Kind und möglichst auch dessen Arbeitsfläche im Blick, um früh zu bemerken, wenn die Aufmerksamkeit abschweift. Sitzt die Lehrperson oft hinten, kann ein Platz, an dem sie Blatt oder Bildschirm des Kindes im Blick behält, sogar von Vorteil sein. Das Kind weiss dann nicht in jedem Moment, ob es beobachtet wird, und bleibt eher bei der Aufgabe.

Reizarmes Blickfeld
Ausschlaggebend ist, was das Kind vor sich sieht, nicht eine bestimmte Himmelsrichtung. Fenster mit Bewegung von draussen, die Tür, gut gefüllte Regale oder eine Spielecke gehören nicht ins direkte Blickfeld.

Ruhe hinter und neben dem Kind
Ziel ist, Bewegung und Durchgangsverkehr rund um den Platz gering zu halten. Der Rücken zur Wand ist eine Möglichkeit, das zu erreichen, aber keine Pflicht. Ebenso gut wirken ein Platz am Rand einer Reihe, ein niedriges Regal oder eine Pflanze als sanfte Abgrenzung oder eine Ausrichtung, bei der der Hauptweg nicht direkt hinter dem Kind vorbeiführt.

Fester, verlässlicher Platz
Das Kind kann sich auf seinen Platz verlassen. Wechsel erfolgen selten und immer angekündigt.

Wenig auf dem Tisch
Nur das Material für die aktuelle Aufgabe liegt bereit, der Rest wandert in eine Box oder ein Fach.

Bewegung ermöglichen
Kurzes Aufstehen, ein Botengang oder ein Wechsel an einen zweiten Platz sind möglich, ohne durch die ganze Klasse zu müssen.

Ruhige Sitznachbarschaft
Das Kind sitzt neben einem ruhigen, geduldigen Kind, nicht neben einem ebenfalls unruhigen.

Kein Platz als Strafe oder Bevorzugung
Weder das Kind noch die Klasse sollen den Platz so wahrnehmen.

Position der Lehrperson mitdenken
Der Sitzplatz des Kindes und der eigene Standort hängen zusammen. Die verbreitete Empfehlung, das Kind nach vorne zu setzen, geht davon aus, dass die Lehrperson vorne bei der Tafel steht. Das ist längst nicht immer so.

• Wer oft hinten oder in der Mitte des Raums arbeitet, plant den Platz des Kindes von dort aus. Ein Platz hinten in der Nähe der Lehrperson kann für die Konzentration besser sein als ein Platz ganz vorne, weit weg vom tatsächlichen Standort.

• Von hinten oder seitlich lässt sich die Arbeitsfläche des Kindes gut im Blick behalten. Das erlaubt diskretes Beobachten und ein rasches, leises Signal, ohne die Klasse zu stören.

• Ist die Lehrperson mobil im Raum unterwegs, hilft ein Platz an einem ihrer häufigen Wege. So ergeben sich viele kurze Kontakte fast nebenbei.

• Massgeblich sind Nähe und Sichtachsen, nicht die Frage, ob der Platz vorne oder hinten liegt.

Pultformen
Die Pultform prägt, wie ruhig und klar der Platz wirkt.

Einzelpult
• Oft die ruhigste Variante. Der Platz ist klar das eigene Gebiet, es gibt keine Aushandlung um die gemeinsame Fläche und weniger unmittelbare Ablenkung durch eine Sitznachbarschaft.

• Gut geeignet für Stillarbeit, Prüfungen und Phasen, die viel Konzentration verlangen.

• Damit der Platz nicht als Ausschluss wirkt, steht das Einzelpult innerhalb der Klassenanordnung, nicht abgeschoben in einer Ecke. Hilfreich ist, mehrere Einzelplätze als normale Fokusplätze anzubieten, die allen offenstehen. So entsteht kein Sonderstatus.

• Position wie bei den Grundprinzipien: in Reichweite des häufigen Standorts der Lehrperson, Blick zur Tafel ohne Drehen, ruhige Zone.

Zweierpult oder Doppeltisch
• Funktioniert, wenn die Sitznachbarschaft ruhig, geduldig und hilfsbereit ist. Zwei unruhige Kinder gehören nicht nebeneinander.

• Die gemeinsame Fläche klar teilen. Eine Klebebandlinie oder je ein kleines Tablett markiert das eigene Gebiet.

• Rechtshänderinnen sitzen aussen rechts, Linkshänderinnen aussen links, damit sich die Schreibarme nicht in die Quere kommen.

• Auch die Sitznachbarschaft hält ihre Fläche aufgeräumt, denn Unordnung nebenan liegt ebenfalls im Blickfeld des Kindes.
Stehpult

• Möglich sind ein festes Stehpult, ein höhenverstellbares Pult oder Phasen im Stehen an einem Stehpult am Rand des Raums, an das sich das Kind für eine Weile begeben kann.

• Der Stehplatz liegt so, dass das stehende Kind niemandem die Sicht nimmt und nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Ein Platz am Rand oder hinten eignet sich dafür gut.

• Am besten mit dem Sitzen kombinieren. Das Kind wählt je nach Aufgabe oder Tagesform zwischen zwei festgelegten Plätzen, einem im Sitzen und einem im Stehen.

Anordnung im Klassenzimmer
• Reihen oder kleine, ruhige Gruppen unterstützen die Konzentration meist besser als grosse Gruppentische oder eine Hufeisenanordnung, bei der viele Gesichter und viel Bewegung im Blickfeld liegen.

• Lässt sich die Klasse flexibel stellen, können Gruppen bei Bedarf rasch zusammengeschoben und danach wieder aufgelöst werden.

Zyklus 1, Kindergarten bis 2. Klasse
• Im Sitzkreis einen festen, markierten Platz, etwa eine Teppichfliese oder ein Sitzkissen mit Name oder Symbol. Der Platz bleibt über längere Zeit derselbe.

• Der Platz liegt nahe bei der Lehrperson oder der Assistenzperson, sodass ein kurzer Blick oder eine ruhige Berührung an der Schulter genügt.

• Am Rand des Kreises mit ruhiger Raumseite im Rücken statt mitten im Durchgang. Wenn eine Wand im Rücken nicht möglich ist, hilft ein fester Randplatz, an dem niemand vorbeiläuft.

• Neben einem ruhigen Kind, neben der Lehrperson oder neben der Assistenzperson.

• Eine Bodenmarkierung mit Klebeband schafft einen klar definierten eigenen Platz, auch für Kinder, die gerne kippeln oder herausrutschen.

• Bei Tischarbeit ein fester Platz nahe der Lehrperson, mit Blick zur Aktivität und weg von Spielecke und Fenster.

• Ablenkende Reize wie Spielecke oder buntes Regal liegen nicht im direkten Blickfeld.

• Kurze Wege zu einem Ort für Bewegung oder Rückzug einplanen, damit das Kind ohne grosses Aufsehen Energie abbauen kann.

Zyklus 2, 3. bis 6. Klasse
• In Reichweite der Lehrperson, mittig zu ihrem häufigen Standort. Ist dieser vorne, passt die erste oder zweite Reihe. Arbeitet die Lehrperson oft hinten, darf der Platz auch dort liegen.

• Nicht in der letzten Reihe ohne Aufsicht, nicht am Fenster mit Reizen von draussen, nicht am Hauptweg.

• Als Pultform je nach Kind ein Einzelpult oder ein Doppeltisch neben einem ruhigen, hilfsbereiten Kind. Ein Stehpult als Ergänzung oder Wahlplatz.

• Ruhige Raumseite oder Wand hinter dem Platz, wo das gut geht. Andernfalls ein Randplatz oder eine sanfte Abgrenzung, damit hinter dem Kind wenig Bewegung ist.

• Ein ruhiger Zweitplatz oder ein angrenzender Raum für Stillarbeit, Rückzug oder Prüfungen.

• Eine Ablage unter dem Tisch für Material, das gerade nicht gebraucht wird.

• Ein kurzer, unauffälliger Weg zur Lehrperson oder nach draussen für Botengänge.

 

Material

• Skizzen für Sitzpläne beider Zyklen und für verschiedene Pultformen (Einzelpult, Zweierpult, Stehpult).

• Bodenmarkierungen und Klebeband, Sitzkissen oder Teppichfliese mit Name oder Symbol.

• Flexible Sitzmöbel wie Stehpult, Wackelkissen, Ballkissen oder Sitzball.

• Ablagemöglichkeiten für Material, das gerade nicht gebraucht wird, etwa eine Box oder ein Fach unter dem Tisch.

• Gehörschutz oder Kopfhörer bei Bedarf.

Referenzen

Nach: Selin Güler, Primarschullehrerin und Translationsmanagerin bei BeLEARN

Quelle: SZH und CSPS (2024): Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit oder ohne Hyperaktivität im Schulalltag. Bern. Lizenz CC BY NC SA 4.0. szh.ch