Entwicklung des Rahmenkonzepts «AppDigCompINC» für inklusive digitale Kompetenzen
Das Projekt fördert digitale Kompetenzen von Menschen mit Behinderung und entwickelt ein inklusives Assessmentverfahren.
Laufzeit: Januar 2025 – Dezember 2025
Status: Abgeschlossen
Bildungsstufe: Tertiärstufe, Sonder- und Heilpädagogik
Thema: Digital Skills & Literacy
Keywords: Digitalisierte Lehrmodule, Test Development
Ausgangslage
In einem Vorprojekt wurde festgestellt, dass eine Pre-Assessment-Phase essenziell für die Messung digitaler Kompetenzen bei Menschen mit Behinderung ist. Die aktuelle Phase des Projekts ermöglicht es, die individuellen Ausgangslagen der Teilnehmenden zu berücksichtigen und das Testsetting entsprechend anzupassen. Durch die sorgfältige Erhebung der Vorkenntnisse und Bedürfnisse vor der eigentlichen Assessment-Phase wird sichergestellt, dass die Tests fair, barrierefrei und auf die jeweilige Situation der Teilnehmenden zugeschnitten sind.
Vorgängerprojekt
Im Vorgängerprojekt DigCompINC wurde ein inklusives Kompetenzmodell entwickelt, das digitale Kompetenzen von Menschen mit Behinderung systematisch erfasst. Ziel war es, bestehende Barrieren im digitalen Raum sichtbar zu machen und digitale Teilhabe zu fördern, indem ein Rahmenwerk geschaffen wurde, das die spezifischen Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppe berücksichtigt und damit eine Grundlage für weiterführende Forschungs- und Entwicklungsarbeiten bildet.
Ziele
Das Projekt «Application of the Inclusive Digital Competence Framework (AppDigCompINC)» entwickelt ein Verfahren zur Messung und Förderung digitaler Kompetenzen von Menschen mit Behinderung. Langfristig soll ein Online-Tool entstehen, das die digitale Teilhabe von Menschen mit Behinderung fördert und einen Beitrag zur Inklusion sowie zur Verringerung der digitalen Ungleichheit leistet.
Methode
Das dreistufige Verfahren – bestehend aus Pre-Assessment, Assessment und Evaluation – ist gezielt auf Barrierefreiheit und die unterschiedlichen Voraussetzungen der Teilnehmenden ausgerichtet. Seit Februar 2025 wird es an der PHBern pilotiert. Die dabei gewonnenen Daten werden ausgewertet und bilden die Grundlage für fundierte Empfehlungen sowie die Weiterentwicklung des Verfahrens in anschliessenden Projekten.
Ergebnisse
Das Projekt begann als Studie zur Instrumentenentwicklung, entwickelte sich jedoch zu einer kritischen methodologischen Untersuchung. Es bietet empirisch fundierte Einblicke in die Durchführung von DigComp-orientierten Bewertungen bei Menschen mit Behinderungen. Unter Anwendung der klassischen Testtheorie und der Konstruktvalidität legt es den Schwerpunkt auf Objektivität und Standardisierung. DigComp 2.2 basiert auf einem funktionalen, handlungs- und ergebnisorientierten Kompetenzkonzept, das den Handlungskontext (z. B. das Lösen digitaler Probleme) einbezieht (Vuorikari et al., 2022). Unterstützende Interaktionen können die Leistung beeinflussen, ohne die Kompetenz zu verzerren. Die Studie leistet einen dreifachen Beitrag: Belege zur Durchführbarkeit mit/ohne Vorabbewertung; eine operationalisierte Taxonomie und Abgrenzungsregeln für Interventionen (Navigation, Strategie, Inhalt); sowie einen prägnanten Berichtsrahmen, der die Transparenz von Anpassungen und Anleitungen gewährleistet.
Umgesetzte Translation
In Zusammenarbeit mit dem Projektpartner an der PHBern konnte eine vollständige Translation des Frameworks in die Bildungspraxis im Rahmen dieses Projekts nicht erreicht werden. Dies wäre grundsätzlich möglich, jedoch ist die Komplexität des Frameworks in Bezug auf eine stark heterogene Zielgruppe einer der Hauptgründe, warum dies eine Herausforderung bleibt. Diese Einschränkung zeigte sich bei der Anwendung von Pre-Assessment-Prinzipien in der Datenerhebungsphase.
Obwohl das Projekt darauf abzielte, eine validierte und anwendbare Version von DigCompInc zu entwickeln, reichten Umfang und Dauer des Projekts nicht aus, um das Framework für den regulären Einsatz in der Bildungspraxis vollständig zu operationalisieren. Stattdessen konzentrierte sich das Projekt auf die systematische Analyse und Dokumentation der aufgetretenen Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf Heterogenität, Unterstützungsbedarf und methodische Einschränkungen im Assessment-Design.
Diese Erkenntnisse sind in einem Artikel zusammengefasst, der sich derzeit in der Publikationsphase befindet. Das Framework selbst liegt in dokumentierter Form vor und kann als Grundlage für künftige Weiterentwicklungen und Pilotimplementierungen dienen. Ziel ist es, eine strukturierte Basis für weitere Arbeiten hin zu validen und reliablen Assessments digitaler Kompetenzen von Menschen mit Behinderungen in Forschung und Bildungspraxis zu schaffen.
Plafky, C., Cassanello, R., Kaufmann, K., & Ryser, M. (manuscript in preparation). Digitale Kompetenzen fair erfassen: Methodenkritische Ansätze für inklusive Assessments.