Virtuelle Realität in der Pflege- und Medizininformatik-Ausbildung
Das Projekt nutzte ein immersives und interaktives 360°‑Video, um zu untersuchen, wie VR in der Pflege- und Medizininformatik-Ausbildung eingesetzt werden kann.
Laufzeit: Januar 2025 – Dezember 2025
Status: Laufend
Bildungsstufe: Tertiärstufe
Thema: Digital Tools
Keywords: Digitalisierte Lehrmodule, VR
Ausgangslage
Immersive und interaktive VR-Werkzeuge werden in der Lehre noch selten eingesetzt, obwohl sie den Student*innen ermöglichen, in realistische Alltagssituationen einzutauchen und daraus zu lernen – unabhängig von Zeit und Ort. Im Projekt wurde ein immersives und interaktives 360° Video verwendet, das im Rahmen des SNF NFP 77 Projekts «Digi Care» entwickelt wurde, um zu untersuchen, wie VR in der Lehre eingesetzt werden kann und wie Student*innen damit lernen. Das 360° Video basiert auf einer real beobachteten Situation, die von Schauspieler*innen nachgestellt wurde. Es zeigt verschiedene Facetten der Übermittlung von Patient*innendaten mit digitalen Geräten während einer Schichtübergabe in einem Schweizer Spital. Der erste Teil der Schichtübergabe findet im Spitalgang statt, die zweite Szene im Patient*innenzimmer. Während des Videos gibt es aktive Klickpunkte, die Illustrationen und Lernaufgaben zu den definierten Lernzielen enthalten.
Vorgängerprojekt
Dieses Projekt baut auf dem Vorgängerprojekt Digitalisierung im Gesundheitswesen auf, in dem Schlüsselmomente der digitalen Informationsübermittlung in Spitälern identifiziert und ein VR-Prototyp zur Vermittlung digitaler Kompetenzen entwickelt wurde.
Ziele
Das erste Ziel des Projekts war, zwei unterschiedliche Unterrichtseinheiten zu entwickeln: a) für Pflegefachpersonen und b) für Bachelorstudent*innen der Medizininformatik, basierend auf demselben VR‑Werkzeug, in Zusammenarbeit mit Expert*innen aus der Praxis der Pflege- und Medizininformatik-Ausbildung. Das zweite Ziel war, die Wirksamkeit der VR-basierten Unterrichtseinheit zu evaluieren. In der Pflege konzentrierten sich die Unterrichtseinheiten auf das Thema Patient*innendatenschutz und Patient*innensicherheit bei der digitalen Informationsübermittlung. In der Medizininformatik lag der Fokus der Unterrichtseinheit auf der Usability von IT-Systemen und die Gestaltung verschiedener Schnittstellen für die digitale Patient*innenkurve und die Auftragserfassung.
Methode
Die aktiven Punkte innerhalb des Videos wurden geändert oder ersetzt, um die jeweiligen Lernziele zu unterstützen. Um die Wirksamkeit der VR-basierten Unterrichtseinheiten zu evaluieren, verwendeten wir ein Pre‑und Post‑Test‑Kontrollgruppendesign. Pflege- und Medizininformatikstudent*innen wurden anhand der für ihr jeweiliges Fach definierten Lernziele getestet. Zusätzlich wurden die Student*innen zu ihrer Haltung gegenüber 360°‑Videos und zu ihren Erfahrungen mit dem 360°‑Video befragt. Im Pflegebereich wurden die Student*innen zudem etwa sechs Wochen nach dem Anschauen des Videos erneut befragt, um herauszufinden, ob die Unterrichtseinheiten längerfristige Effekte zeigen.
Ergebnisse
In der Pflege zeigen die Forschungsergebnisse, dass direkt nach dem Anschauen des Videos und auch sechs Wochen später die Student*innen beider Gruppen mehr Wissen zum Thema Patient*innendatenschutz und Patient*innensicherheit erworben hatten und sensibler für das Thema waren. Die Student*innen, die ein VR‑Headset benutzten, gaben an, dass sie eine höhere Lernmotivation und eine tiefere Immersion in die Situation erfahren hätten als jene, die das Video auf einem Computerbildschirm anschauten. Das gesteigerte Gefühl von Präsenz in der VR‑Headset‑Gruppe hatte zudem einen indirekt positiven Effekt auf den Wissenserwerb über die Lernmotivation. Die Gruppe der Student*innen der Medizinischen Informatik war klein. Es konnte kein statistisch signifikanter Wissenszuwachs gemessen werden, obwohl bei vier von fünf Wissensfragen in der Interventionsgruppe ein positiver Mittelwertanstieg zu verzeichnen war. In dieser Gruppe zeigte sich jedoch ein signifikanter Zuwachs hinsichtlich der Benutzungsfreundlichkeit und des Vertrauens in die Nutzung von 360º-Videos. Zudem berichteten jene Student*innen, die das Video mit einem VR-Headset nutzten, von einem stärkeren Gefühl des Eintauchens (Immersion) und empfanden die interaktiven Punkte als hilfreich für das Lernen.
Umgesetzte Translation
Insgesamt kann das Projekt selbst als Transfer in die Bildungspraxis betrachtet werden, da wir eine Unterrichtseinheit mit einem 360° Video praktisch entwickelt und implementiert sowie Lehrpersonen inspiriert haben, solche Videos in ihren eigenen Unterricht zu integrieren. Darüber hinaus wurde das Projekt Fachpersonen in der Berufsbildung, politischen Entscheidungsträger*innen und weiteren Akteur*innen vorgestellt. Im Pflegebereich haben Schulen in anderen Kantonen Interesse geäussert, das VR‑Werkzeug zu nutzen.