Multikulturelle interaktive Integration durch soziale Agenten (MI2US)
MI2US nutzt soziale Roboter und Sprachmodelle, um Kindern mit multikulturellem Hintergrund das Gefühl zu geben, dazuzugehören und in der Schule erfolgreich zu sein.
Laufzeit: Juli 2023 – Dezember 2024
Status: Abgeschlossen
Bildungsstufe: Primarstufe, Sekundarstufe I
Thema: Artificial Intelligence AI, Digital Tools
Keywords: Adaptives Lernsystem, digitale Lernspiele, Bildungsrobotik, künstliche Intelligenz, Lernplattformen, VR – Virtuelle Realität
Ausgangslage
Die Anpassung an das Schulleben in der Schweiz kann für Kinder aus multikulturellen Hintergründen eine besondere Herausforderung darstellen. Neben sprachlichen Barrieren erschweren auch kulturelle Unterschiede, unbekannte soziale Normen und ein Mangel an kultureller Repräsentation oder Selbstvertrauen den Schulalltag – Aspekte, die meist von Lehrpersonen aufgefangen werden müssen. Diese Faktoren können zu Isolation und geringerer Teilnahme führen und so sowohl den schulischen Fortschritt als auch das emotionale Wohlbefinden beeinträchtigen. Soziale Roboter, die durch grosse Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) gesteuert werden, bieten hier ein vielversprechendes Potenzial. Sie können Kinder in mehrsprachige, kulturell sensible Interaktionen einbinden, emotionale Unterstützung bieten und Kommunikationsbarrieren überbrücken. Durch die Schaffung eines sicheren, inklusiven Raums fördern sie Selbstvertrauen, soziale Integration und Lernmotivation – und tragen so zu einer offeneren und unterstützenden Lernumgebung bei.
Ziele
MI2US ist eine innovative Initiative, die die Möglichkeiten sozialer Roboter und grosser Sprachmodelle nutzt, um die Integration von Kindern mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund in Bildungskontexte zu fördern. Durch die Kombination empathischer, KI-gestützter Interaktionen mit inklusiven didaktischen Ansätzen schafft MI2US Lernräume, in denen sich jedes Kind gesehen, gehört und wertgeschätzt fühlt. Ziel des Projekts ist es, Zugehörigkeit zu stärken, Selbstvertrauen aufzubauen und interkulturelles Verständnis zu fördern – als Grundlage für inklusivere Klassenzimmer und Gemeinschaften.
Methode
Zu Beginn wurden Lehrpersonen und Heilpädagog*innen aus den Kantonen Waadt und Bern interviewt, um ihre Einschätzungen zum Einsatz verschiedener Technologien zur Förderung multikultureller Integration zu erfassen. Parallel dazu wurde eine systematische Literaturrecherche zu entsprechenden Ansätzen in Primarschulen durchgeführt. Aus der Kombination dieser Erkenntnisse entstand eine qualitative Synthese mit Empfehlungen für bewährte Praktiken zur Integration von Kindern mit Migrationshintergrund mittels interaktiver Technologien im Unterricht. An der Erhebung nahmen fünf Heilpädagog*innen aus öffentlichen Schulen des Kantons Bern, rund 15 Lehrpersonen aus Privatschulen der Kantone Waadt und Genf sowie etwa 150 Primarschüler*innen teil.
Ergebnisse
Die zentralen Ergebnisse zeigen, dass der optimale Einsatz von Technologie in diesem Kontext darin besteht, hypothetische Trainingsszenarien zu schaffen, in denen Kinder ihre eigene Kultur und ihre Gefühle dazu ausdrücken können, während sie gleichzeitig Einblicke in die Kulturen anderer erhalten. Beispiele hierfür sind Rollenspiele und Storytelling-Aktivitäten. Auf dieser Grundlage wurden Methoden entwickelt, die LLMs mit intuitiven grafischen Benutzeroberflächen für Lehrpersonen kombinieren.
Umgesetzte Translation
Ein virtueller Avatar des Roboters wurde in die eigens entwickelte Software integriert. Diese Software ist für alle Lehrpersonen zugänglich und an beliebige Themen anpassbar. Mithilfe eines auf Bildungsdaten trainierten LLMs generiert der Avatar integrative Erzählinhalte, die Reflexion über kulturelle Vielfalt anregen und Integration fördern. Der Quellcode kann auf Anfrage bei der Hauptansprechperson bezogen werden. Die entwickelten Methoden wurden in vier Experimenten mit über 100 Kindern und sechs Lehrpersonen aus den Kantonen Waadt und Genf erprobt. Sowohl Kinder als auch Lehrpersonen bewerteten die Aktivitäten mit dem Roboter als deutlich motivierender und ansprechender als herkömmliche Unterrichtsaktivitäten. Detaillierte Ergebnisse sind in den im Rahmen des Projekts veröffentlichten Publikationen dokumentiert.
- Tozadore, D. (2026). Technologies for the Integration of Children with Migration Background in Early Education: A Systematic Review. International Journal of Human–Computer Interaction, 1–27. https://doi.org/10.1080/10447318.2025.2592778