Einfluss von Emotionen auf das Lernen in Teamprojekten von Informatikstudent*innen
Diese Studie untersucht, wie soziale Emotionen, die Informatikstudent*innen erleben, ihre Zufriedenheit mit den Lernerfahrungen in Teamprojekten beeinflussen.
Laufzeit: Mai 2023 – Dezember 2024
Status: Abgeschlossen
Bildungsstufe: Tertiärstufe
Thema: Artificial Intelligence AI, Digital Tools
Keywords: Team-basiertes Lernen, Soziale Emotionen, Emotionserfassung, Machtverhältnisse und Identität
Ausgangslage
Teamprojekte bringen für Student*innen besondere Herausforderungen und Lernchancen mit sich. Damit Teams effektiv funktionieren und Lernen ermöglichen, müssen Student*innen ein Mindestniveau positiver sozialer Emotionen wie Wohlwollen, Wärme und Mitgefühl mitbringen (Tormey, 2021). Innerhalb von Projektteams sollten sie sich auf konstruktive Auseinandersetzungen einlassen können, die positive Emotionen wie Interesse oder negative Emotionen wie Ärger oder Verachtung hervorrufen können. Das Schaffen einer sicheren Umgebung, in der Fehler toleriert werden, ohne gravierende Folgen, fördert das Lernen. Machtverhältnisse innerhalb von Teams rufen ebenfalls emotionale Reaktionen hervor, darunter Ärger, Verachtung, Ehrfurcht oder Bewunderung, und diese Emotionen können sich mit sozialen Identitäten wie Geschlecht oder ethnischer Zugehörigkeit überschneiden. In der Tat werden im Ingenieurstudium oft Männlichkeitsnormen wie individueller Wettbewerbsgeist und emotionale Gelassenheit gefördert. Diese Normen beeinflussen die Teamdynamik und die Zufriedenheit der Student*innen mit ihren Lernerfahrungen in Teamprojekten.
Ziele
Diese Studie untersucht, wie die von Informatikstudent*innen erlebten sozialen Emotionen zusammen mit ihrer (Re-)Konstruktion von Männlichkeiten ihre Zufriedenheit mit Lernerfahrungen in Teamprojekten beeinflussen.
Methode
Es wurden halbstrukturierte Interviews mit 34 Student*innen durchgeführt, die an Teamprojekten an zwei technischen Hochschulen in der Schweiz beteiligt waren. Jede*r Teilnehmer*in wurde zweimal interviewt: einmal zu Beginn und einmal am Ende des Projekts. Wir fragten nach ihren Emotionen, den Gründen dafür und ihrer Zufriedenheit mit den Lernerfahrungen während des Projekts. Die Daten wurden mittels reflexiver thematischer Analyse ausgewertet.
Ergebnisse
Zwei Hauptthemen wurden herausgearbeitet:
- Hegemoniale Männlichkeiten beschreiben Muster, in denen Student*innen Männlichkeitsnormen verstärkten (z. B. Wettbewerbsdenken, Leistungsfokus vor sozialen Verbindungen, Unterdrückung von Emotionen, um kompetent zu wirken), was häufig zu sinkender Zufriedenheit mit den Lernerfahrungen führte.
- Gegenhegemoniale Praktiken beziehen sich auf Fälle, in denen Teilnehmer*innen diese Normen herausforderten, indem sie Zusammenarbeit förderten, Emotionen teilten und gegenseitige Unterstützung leisteten. Diese Praktiken steigerten die Zufriedenheit mit Lernerfahrungen, indem sie inklusivere und unterstützende Teamumfelder ermöglichten.
Umgesetzte Translation
Das Projekt wurde noch nicht implementiert, aber wir schlagen seine Anwendung in der universitären Ingenieurwesenausbildung vor. Reflexive Räume sollten in Teamprojekte integriert werden, damit Student*innen kritisch hinterfragen können, wie hegemoniale Männlichkeiten Zusammenarbeit und Lernen beeinflussen. Assistierende Lehrpersonen (Teaching Assistants), geleitet vom 3 T PLAY Rahmenwerk, könnten inklusive Verhaltensweisen vorleben, den Dialog moderieren und die Entwicklung transversaler Kompetenzen unterstützen. Lehrveranstalter*innen können weiterhin strukturierte Reflexion, Anreize und Modellierung durch Lehrpersonen nutzen, um Gerechtigkeit und Teamarbeit zu stärken. Zukünftige Schritte umfassen Pilotversuche dieser Praktiken in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen und die Schulung des Lehrpersonals zur nachhaltigen Verankerung im Curriculum. Das Projekt erweitert die Forschung in der Ingenieur*innenausbildung, indem es soziale Emotionen mit Männlichkeiten als Praxis verknüpft und über statische Geschlechtervergleiche hinaus zu einem dynamischen Verständnis davon gelangt, wie Status, Sicherheit und Wärme in der Teamarbeit verhandelt werden. Die Ergebnisse zeigen, dass hegemoniale Praktiken (z. B. emotionale Unterdrückung, wettbewerbsbetonter Individualismus) Zufriedenheit und Kohäsion reduzieren, während gegenhegemoniale Praktiken (z. B. Offenheit, Unterstützung, Zusammenarbeit) Lernen und Wohlbefinden fördern. Der erwartete Einfluss auf die Bildungspraxis lautet: Anreize neu ausrichten zugunsten des Teamerfolgs, geführte emotionale Reflexion einbetten und Lehrpersonen und assistierende Lehrpersonen in inklusiven Normen modellieren lassen. Der Einfluss wird durch Pilotinterventionen in ingenieurwissenschaftlichen Kursen gemessen.
Kotluk, N., Favre, Y., Fiori, M., Werlen, E., & Tormey, R. (2024, September 2–5). The emotional journey of computer science students in team projects: The turbulences and the interplay between the academic emotions. In Proceedings of the European Society for Engineering Education (SEFI) 52nd Annual Conference (Lausanne, Switzerland). https://doi.org/10.5281/zenodo.14254812
Krivoshchekov, V., Kotluk, N., Favre, Y., Fiori, M., Werlen, E., & Tormey, R. (2025). “I felt there was no team to be included in”: Navigating social emotions and masculinities in engineering team projects. Journal of Engineering Education, 114(4), e70026. https://doi.org/10.1002/jee.70026