Klar gestaltete Lernmaterialien neu
Arbeitsblätter, Lernaufträge und Lernkontrollen werden nach einem wiederkehrenden Gestaltungsprinzip aufgebaut. Ziel ist, dass Schüler*innen möglichst wenig Aufmerksamkeit dafür benötigen, sich auf einem Blatt zurechtzufinden, und mehr Aufmerksamkeit für die eigentliche Lernaufgabe zur Verfügung steht.
Eckdaten
Fach/Fachbereich: Fächerübergreifend
Schulstufe/n: Zyklus 1 und 2
Lehrplanbezug: Überfachliche Kompetenzen: personale Kompetenzen (Selbstreflexion, Selbstständigkeit), methodische Kompetenzen (Lernstrategien, Aufgaben planen und strukturieren) sowie eigenständiges Beobachten und Einschätzen des Lernfortschritts.
Fokus: Merkfähigkeit, Ablenkung, Tagträumen
Umsetzung
Einheitliches Grundlayout verwenden. Arbeitsblätter, Lernaufträge und Lernkontrollen möglichst nach demselben Prinzip aufbauen: Thema → Lernziel → Auftrag → Arbeitsschritte → Kontrolle → Reflexion. Wiederkehrende Elemente befinden sich möglichst immer an derselben Stelle. So müssen sich Schüler*innen nicht bei jedem Material neu orientieren.
Aufträge in Schritte zerlegen. Längere Aufträge in kurze, nummerierte Teilschritte gliedern. Kleine Kästchen zum Abhaken machen sichtbar, was bereits erledigt wurde und was noch folgt. Pro Schritt möglichst nur eine zentrale Handlungsanweisung formulieren.
Visuell reduzieren. Genügend Weissraum lassen und wichtige Informationen gezielt hervorheben. Farben, Rahmen, Bilder und Symbole nur einsetzen, wenn sie eine Funktion erfüllen. Wenige wiederkehrende Symbole reichen, zum Beispiel für Lernziel, Auftrag, Kontrolle und Reflexion.
Lernziele sichtbar machen. In kindgerechter Sprache formulieren, was gelernt oder gezeigt werden soll, zum Beispiel: „Ich kann drei Merkmale einer Fabel erklären.“ Das Lernziel kann auf Arbeitsblättern, Lernkontrollen und Zielkarten im gleichen Format erscheinen.
Lernfortschritt sichtbar machen. Ein einfaches System kann den eigenen Lernweg darstellen. Beispielsweise wächst eine Pflanze mit dem
Lernprozess:
Samen = ich starte Keimling = ich kann es mit Hilfe
Pflanze = ich kann es selbstständig
Blüte = ich kann es erklären und anwenden.
Die Stufen zeigen Entwicklung und sind keine Bewertung des Kindes.
Reflexion vereinheitlichen. Statt immer neue Reflexionsaufgaben zu formulieren, wenige wiederkehrende Fragen verwenden: Was kann ich schon? Wo brauche ich noch Hilfe? Was ist mein nächster Schritt? Bei jüngeren Kindern kann die Einschätzung zusätzlich über die Pflanzenstufen erfolgen.
Klassenplakat einsetzen. Die gleiche Struktur kann sichtbar im Klassenzimmer hängen: Was ist mein Ziel? → Was muss ich tun? → Wie überprüfe ich mich? → Was ist mein nächster Schritt? So begegnet den Kindern dieselbe Sprache auf Arbeitsblättern, an der Wandtafel und im Unterrichtsgespräch.
Zielkarten nutzen. Persönliche Zielkarten können ein Lernziel, passende Strategien und eine kurze Selbsteinschätzung enthalten. Die Karten werden regelmässig aktualisiert und machen Entwicklungen über einen längeren Zeitraum sichtbar.
Standortgespräche mitdenken. Ausgewählte Zielkarten, Lernprodukte und kurze Selbstbeurteilungen sammeln. Dadurch können Schüler*innen bei Standortgesprächen anhand konkreter Beispiele zeigen, was sie bereits können, welche Strategien ihnen helfen und woran sie als Nächstes arbeiten möchten.
Bestehendes Material anpassen statt neu erstellen. Oft reichen wenige Veränderungen: Lernziel ergänzen, Auftrag kürzen, Arbeitsschritte nummerieren, unnötige Gestaltung entfernen und einen kurzen Lerncheck ergänzen. So kann vorhandenes Material mit wenig Aufwand schrittweise vereinheitlicht werden.
Für alle verwenden. Die Struktur wird für die ganze Klasse eingesetzt und nicht einzelnen Schüler*innen zugeordnet. So entsteht eine vertraute Lernumgebung, von der unterschiedliche Lernende profitieren.
Praxistipp: Zunächst eine Vorlage für Arbeitsblätter und eine für Lernkontrollen erstellen und drei bis fünf wiederkehrende Symbole festlegen. Je konsequenter dieselbe Struktur über verschiedene Materialien und Fächer hinweg verwendet wird, desto vertrauter wird sie für die Schüler*innen.
Stolperstein: Struktur bedeutet nicht möglichst viele Farben, Kästchen und Symbole. Zu viele visuelle Elemente können selbst wieder ablenken. Alles, was auf dem Blatt erscheint, sollte eine klare Funktion haben.
Material
Bestehende Arbeitsblätter, Lernaufträge und Lernkontrollen; optional einheitliche Vorlagen, Zielkarten, Reflexionskarten und ein Klassenplakat mit wiederkehrenden Symbolen.
Referenzen
Nach: Selin Güler, Primarschullehrerin und Translationsmanagerin bei BeLEARN
Quellen:
- Brunsting, M. (2011). Lernschwierigkeiten – Wie exekutive Funktionen helfen können. Grundlagen und Praxis für Pädagogik und Heilpädagogik (2., aktualisierte Auflage). Bern: Haupt Verlag. Wie eine vertraute, wiederkehrende Struktur das Arbeitsgedächtnis entlastet.
- Helmke, A. (2022). Unterrichtsqualität und Professionalisierung. Diagnostik von Lehr-Lern-Prozessen und evidenzbasierte Unterrichtsentwicklung. Hannover: Klett Kallmeyer. Klarheit und Strukturiertheit als Merkmal guten Unterrichts, Grundlage für ein einheitliches, wiederkehrendes Grundlayout.