Beziehungsarbeit
Die Beziehung zwischen Lehrperson und Schüler*innen ist laut John Hattie eine der stärksten Einflussgrössen auf schulische Leistungen, wirksamer als Klassengrösse, Hausaufgaben oder offene Lernformen.
Eckdaten
Fach/Fachbereich: alle Fächer
Schulstufen/n: Zyklus 1 und 2
Umsetzung
Die Lehrperson-Schüler*innen-Beziehung zählt laut John Hatties aktueller Auswertung (Visible Learning, 2023) zu den stärksten Einflussgrössen auf schulische Leistungen, deutlich wirksamer als etwa Klassengrösse, Hausaufgaben oder offene Lernformen. Dabei braucht Beziehungsarbeit keine langen Einzelgespräche. Im Alltag bedeutet das: eine persönliche Begrüssung beim Eintreten, ein kurzes «Alles gut?» im Vorbeigehen, eine handgeschriebene Notiz im Heft, oder ein Klassenbriefkasten, in dem Kinder Anliegen anonym einwerfen können.
Beziehungsarbeit geschieht auch zwischen den Kindern. Kooperative Lernformen wie Partnerarbeiten, Gruppenaufgaben mit verteilten Rollen oder gemeinsame Projekte stärken das Miteinander, weil Kinder erleben, dass sie gemeinsam mehr erreichen als alleine. Einfache Rituale helfen ebenfalls: Ein wöchentliches Kompliment oder ein anonymer Dankeszettel in einer Box stärkt das Gemeinschaftsgefühl nachhaltig. Besonders für Kinder, die sozial eher am Rand stehen, können gezielte Tandems oder feste Gruppenrollen eine wichtige Brücke sein.
Umsetzungsideen
Begrüssungsritual mit Auswahl: Jedes Kind wählt zu Beginn des Jahres seinen persönlichen Begrüssungsstil, Handschlag, High Five, Faust, Ellbogengruss, Pirouette oder einfach ein Nicken. Die Lehrperson begrüsst jeden Morgen jedes Kind auf seine Art. Das dauert Sekunden, aber jedes Kind weiss: ich werde erwartet.
Der heisse Stuhl (positiv): Ein Kind setzt sich auf einen speziellen Stuhl und die Klasse sagt reihum etwas Nettes. Klingt simpel, bleibt aber oft lange im Gedächtnis.
Geheime Mission des Tages: Die Lehrperson flüstert einem Kind beim Eintreten eine kleine Geheimmission zu, zum Beispiel «Deine Mission heute: jemanden zum Lachen bringen.» Am Ende des Tages kurzes Reporting.
Gemeinsames Lachen einplanen: Ein kurzer Witz, ein lustiges Bild oder ein kurzes Ratespiel zu Beginn der Stunde schafft eine entspannte Atmosphäre und verbindet.
Pausengespräche gezielt einplanen: Pro Woche nimmt sich die Lehrperson vor, in der Pause gezielt mit einem oder zwei Kindern kurz zu reden, nicht über Schule, sondern über Hobbys, Lieblingstiere oder was sie am Wochenende gemacht haben.
Fehler-des-Tages-Award: Die Lehrperson erzählt selbst von einem eigenen Fehler oder einer peinlichen Situation. Das zeigt, dass Fehler menschlich sind, und senkt die Hemmschwelle für alle.
Klassensprache: Die Klasse erfindet gemeinsam ein Wort oder einen Insider, der nur in dieser Klasse gilt. Ein Wort für «wir schaffen das» oder ein Jubellaut nach einer gelungenen Aufgabe.
Material
Klassenbriefkasten: Eine Box oder ein Umschlag, Zettel und Stifte. Dankeszettel-Box: Eine Box oder ein Umschlag, Zettel und Stifte. Der heisse Stuhl: Ein besonderer Stuhl oder eine Decke, die den Stuhl zum Ehrenplatz macht. Geheime Mission: Optional eine kleine Karte oder ein Zettel mit der Mission.
Referenzen:
Nach: Selin Güler, Primarschullehrerin und Translationsmanagerin bei BeLEARN
Quelle: Hattie, J. (2024). Visible Learning 2.0. Deutschsprachige Ausgabe von «Visible Learning: The Sequel», übersetzt von S. Wernke & K. Zierer. Schneider bei wbv Publikation.