Input-Abend 2

Rückblick auf die zweite Veranstaltung (18.03.2026) – Organisationsentwicklung mit Evelyne Fankhauser (PH Thurgau)

Zusammenfassung des Abends

Der zweite Input-Abend von EduTransform Primarstufe stand im Zeichen der Organisationsentwicklung. Schulleitungen, SMI und Lehrpersonen gingen gemeinsam der Frage auf den Grund: Wie stellen wir uns als Schule auf dem Weg der digitalen Transformation auf? Evelyne Fankhauser von der PH Thurgau führte praxisnah durch einen Abend, der theoretische Modelle direkt mit der schulischen Realität verknüpfte.
Gemäss unserem 3-T-Prinzip (Trends, Tools, Transfer) wurde analysiert, welche gesellschaftlichen Veränderungen Schulen herausfordern, arbeiteten mit zwei konkreten Denk- und Planungswerkzeugen und reflektierten in Gruppen, welche Rollen Schulleitung, SMI und Lehrpersonen im Zusammenspiel übernehmen.

Trends: Den Wandel als Normalität verstehen

Digitale Transformation ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein dauerhafter Begleiter des Schulalltags. Drei gesellschaftliche Entwicklungen stellen Schulen vor besondere Herausforderungen. Folgende Inhalte wurden dem Referat von Evelyne Fankhauser entnommen (siehe auch Foliensatz in der Materialsammlung).

Wissen ist verteilt: Zusammenarbeit wird wichtiger

Wer weiss noch alles selbst?

Wer kann gefragt werden?

Wo wird nachgeschaut?

 

Im Alltag lösen wir digitale Fragen längst nicht mehr allein. Wissen ist auf viele Personen und Orte verteilt und weniger an einzelne Expert*innen gebunden. Für Schulen bedeutet das: Zusammenarbeit und Vernetzung müssen aktiv organisiert und nicht dem Zufall überlassen werden.

 

Denkanstoss: Wann habe ich zuletzt ein (schulisches) Digitalthema allein gelöst – und wann im Austausch mit anderen?

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Kommunikation läuft schneller und paralleler

Informationen werden heute über viele Kanäle gleichzeitig geteilt und schneller erwartet. Dieser Wandel betrifft nicht nur die externe Kommunikation mit Eltern, sondern auch die interne Abstimmung im Kollegium.

 

Denkanstoss: Wo merken Sie im Schulalltag, dass Kommunikation schneller geworden ist – und damit eine andere Koordination nötig wird?

Veränderung ist kein Ausnahmezustand, sondern Normalität

Angesichts von KI, neuen Plattformen und neuen Datenschutzanforderungen müssen wir davon ausgehen, dass es keine ruhigen Phasen mehr geben wird. Unsicherheit und das Fehlen vorgefertigter Pläne gehören dazu. Das verlangt eine neue Haltung: Statt auf fertige Lösungen zu warten, brauchen Schulen die Fähigkeit, auch mit unvollständigen Antworten handlungsfähig zu bleiben.

 

Denkanstoss: Welche konkrete Situation hat Ihnen gezeigt, dass es nicht immer möglich ist, einen fertigen Plan aus der Schublade zu ziehen?

Schlussfolgerung: Was das für Schulen bedeutet

Veränderungen fordern Schulen heraus, ihre Organisation so aufzustellen, dass Zusammenarbeit, Orientierung und Anpassung möglich werden. Konkret heisst das:

  • Eine gemeinsame Richtung und Vision entwickeln
  • Schule als Gesamtsystem denken und nicht nur als einzelne Schulzimmer
  • Digitales nicht als Zusatzthema, sondern überall mitdenken
  • Schulleitung gibt Orientierung, priorisiert und ermöglicht
  • Rollen klären und neu denken
  • Lehrpersonen als Akteur*innen in die Schulentwicklung einbeziehen
  • Support- und Kommunikationswege bewusst gestalten
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Tools

Um Organisationsentwicklung nicht als abstrakte Aufgabe stehen zu lassen, wurden an der Veranstaltung zwei Denkwerkzeuge eingesetzt.

Mehrebenen - Modell der Schule

Schulen funktionieren auf drei Ebenen gleichzeitig (nach Fend, 2008):

  • Makroebene: Schulgemeinde und Behörden setzen Rahmenbedingungen und finanzieren.
  • Mesoebene: Schulhäuser und Schulleitung übersetzen Vorgaben in eine Schulentwicklung.
  • Mikroebene: Schulzimmer und Teams gestalten direkt Unterricht und Zusammenarbeit.

Ein zentrales Konzept dabei ist die Rekontextualisierung: Eine Idee wird zwischen den Ebenen nicht einfach «implementiert», sondern immer übersetzt. Aus Zielen, Regeln und Vorlagen werden auf jeder Ebene neu Routinen, Zuständigkeiten, Ressourcen und Kultur.

 

Das Modell findet Sie ebenfalls in den Folien von Evelyne Fankhauser wieder.

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Das magische Dreieck der Schulentwicklung

Was braucht es, damit Zusammenarbeit und Entwicklung an einer Schule wirklich gelingt? Das Modell nach Alfred D. Chandler benennt drei gleichwertige Dimensionen:

  • Strategie: Wohin wollen wir als Schule?
    Visionen, Werte, strategische Ziele
  • Struktur: Wie ist das Ganze organisiert? Ablauforganisation, Prozesse, Systeme
  • Kultur: Wie arbeiten wir zusammen im Alltag?
    Menschen, Verhalten, Haltung

Alle drei Dimensionen müssen zusammenpassen. Wer nur an der Strategie arbeitet und die Kultur vernachlässigt, wird scheitern und umgekehrt. Besonders die Kultur entscheidet oft im Verborgenen mit, ob eine Entwicklung gelingt oder nicht.

 

Das Modell findet Sie ebenfalls in den Folien von Evelyne Fankhauser wieder.

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Transfer

Bei diesem Teil der Veranstaltung vertieften die Gruppen die Frage, wer im schulischen Mehrebenensystem welche Verantwortung trägt und wie Führung im digitalen Wandel wirksam geteilt werden kann.

Führung im digitalen Wandel

Digitale Transformation braucht Führung, die sowohl ein eigenes Verständnis von Digitalität entwickelt als auch Mitwirkung im System ermöglicht (nach Anderegg und Muslic, 2022). Schulleitungen müssen dabei ein anspruchsvolles Gleichgewicht finden, indem sie etwas von ihrer Verantwortung abgeben und gleichzeitig Halt durch Orientierung geben.

Teacher Leadership: Führung als geteilte Verantwortung

Lehrpersonen übernehmen zunehmend Führungsverantwortung über das Schulzimmer hinaus – formell (z. B. als Stufenteamleitung) oder informell (z. B. als Ansprechperson für digitale Fragen im Kollegium). Das Ziel ist eine gemeinschaftliche Führungskultur, in der Schulleitung Verantwortung teilt und Spielräume öffnet (nach Strauss, 2020).

SMI als Scharnierfunktion

Pädagogische ICT-Supporter*innen (SMI/PICTS) sind keine reinen Techniker*innen, sondern pädagogisch legitimierte Verbindungspersonen im Schulhaus. Sie vermitteln zwischen Schulleitung, Lehrpersonen, IT, Verwaltung und Behörden, übersetzen technische Vorgaben in didaktisch tragfähige Lösungen und gestalten Schulentwicklungsprozesse aktiv mit, sofern Auftrag, Zuständigkeiten, Zeitressourcen und Nähe zum Kollegium gegeben sind (nach Fankhauser/Labhart, 2026).

Neues Führungsverständnis: Drei Promotoren-Rollen

Wer übernimmt bei einem digitalen Schulentwicklungsvorhaben welche Funktion? Ein hilfreicher Analyserahmen (nach Prasse, 2023) unterscheidet drei komplementäre Rollen:

  • Machtpromotor*in (meist Schulleitung / Schulpflege): schafft Verbindlichkeit und Ressourcen
  • Prozesspromotor*in (z. B. SMI, Projektverantwortliche): begleitet und koordiniert den Prozess
  • Fachpromotor*in (z. B. SMI, engagierte Lehrpersonen): bringt digitale und pädagogische Expertise ein
Veränderungen Schritt für Schritt gestalten

Agiles Vorgehen bedeutet nicht, planlos zu handeln, sondern gut orientiert zu starten:

  • Gemeinsame Richtung klären
  • Klein starten
  • Verantwortung sichtbar machen
  • Erfahrungen sammeln
  • Rückmeldung nutzen
  • Weiterentwickeln
Folgende Ziele setzen sich die Schulen

Organisationsentwicklung beginnt nicht mit grossen Konzepten, sondern mit konkreten nächsten Schritten. Am Ende des Abends haben die Schulteams reflektiert, wo ihre Schule als Organisation steht und formuliert, was als Erstes angepackt werden soll.

Wir klären, wer was übernimmt

Wir überprüfen unseren aktuellen M&I-Konzept-Entwurf gezielt auf «Rollendefinitionen, Aufgabenbereiche, Entscheidungskompetenzen und Verantwortung» und passen ihn wo nötig an. Bevor wir weitermachen, muss klar sein, wer im Schulhaus wofür zuständig ist.

Wir entwickeln eine gemeinsame Richtung

Wir nehmen uns Zeit für Rollenklärung und Visionen und stimmen Strategie, Struktur und Kultur aufeinander ab, weil wir darin das Fundament für unsere nächsten Schritte sehen und in eine Richtung gehen.

Wir hören zuerst hin, dann handeln wir

Wir evaluieren in beiden Zyklen unsere Umfrage [Diese Schule hat zwischen der ersten und zweiten Input-Veranstaltung eine grössere Meinungsumfrage zum digitalen Stand bzw. zu KI im Team durchgeführt.] und gehen ins Gespräch. Die Schulleitung beauftragt die SMI, die Ergebnisse zu präsentieren. Gemeinsam schauen wir, welche Bedürfnisse aus der Umfrage hervorgehen und wie sie unseren weiteren Weg bestimmen.

Wir lösen, was im Alltag bremst

Wir setzen Ziele, die für uns relevant sind, und verfolgen diese nach Dringlichkeit. Wir nehmen uns vor, die Gerätesituation der Lehrpersonen und die Nutzungsvereinbarungen als Teil des neuen M&I-Konzepts zu regeln und gleichzeitig die Infrastruktur dort zu modernisieren, wo es am dringendsten ist.

Eindrücke vom Abend

Materialien

Folien