Input-Abend 1

Rückblick auf die erste Veranstaltung (21.01.2026) - Einführung und Standortbestimmung mit Martin Eric Ritz (PHBern) und Silvio Herzog (Mutaufbruch)

Zusammenfassung des Abends

Der Startschuss für EduTransform Primarstufe ist gefallen. Am 21. Januar 2026 trafen sich Schulleitungen, SMI und Lehrpersonen, um das Fundament für die kommende Arbeit zu legen. Unser Fokus lag darauf, die digitale Transformation nicht als technisches Upgrade, sondern als kulturellen Entwicklungsprozess zu verstehen.
Gemäss unserem 3-T-Prinzip (Trends, Tools, Transfer) tauchten wir in die «Kultur der Digitalität» ein und nutzten direkt zwei konkrete Werkzeuge für eine erste Standortbestimmung. Mit dem «Schul-Kultur-Würfel» der PHBern visualisierten wir einzelne Aspekte der Schulkultur, während der «Kompass digitaler Wandel» half, blinde Flecken in der Schulentwicklung aufzudecken. Diese Analyse bildete die Basis für den anschliessenden Transfer in die Praxis.

Trends: Den Wandel verstehen und gestalten

Konzentrieren wir uns auf das grosse Ganze. Im Input-Teil der Veranstaltung haben wir theoretische Modelle genutzt, um die aktuelle Transformation besser zu verstehen und ein gemeinsames Vokabular zu entwickeln.

Orientierung in der VUCA-Welt

Die Geschichte zeigt, dass Prognosen zur technologischen Zukunft oft daneben liegen. Thomas Watson (Vorsitzender von IBM) gab mit seiner Aussage im Jahr 1943 vom «Weltmarkt für fünf Computer» ebenso eine Fehleinschätzung wie Bill Gates (2004) mit seiner Annahme, das Spam-Problem sei bald gelöst. Wir leben heute in einer VUCA-Welt (Volatilität, Unsicherheit, Komplexität, Ambiguität). Das Umfeld der Schule verändert sich rasant. Um in dieser Dynamik nicht die Orientierung zu verlieren, brauchen Schulen eine neue Art der Führung und Haltung:

 

  • Vision statt Volatilität.
  • Understanding (Verstehen) statt Unsicherheit
  • Klarheit statt Komplexität
  • Agilität statt Ambiguität.
Digitalisierung Bildung; KI Bildung, Digitale Bildung, Kompetenzzentrum; KI; Bildungsforschung, Schule, Input-Abend 1

Erkenntnis: Wir müssen uns vom reinen Produktwissen (welchen Knopf drücke ich?) hin zum Konzeptwissen (wie funktioniert die digitale Welt?) bewegen, da technisches Detailwissen immer schneller veraltet.

Die Kraft der Vision

«Hoffnung ist keine Strategie»

(Anne Sliwka)

 

Zukunft passiert nicht einfach, sie wird gemacht. Für die digitale Transformation ist eine pädagogische Vision entscheidend, keine technische. Eine technische Vision (z.B. «Wir haben alle iPads») ist oft schon beim Verfassen veraltet. Eine pädagogische Vision fragt hingegen nachhaltig: Welchen Mehrwert bietet die Technologie für das Lernen unserer Kinder?

Die Fallen der digitalen Transformation

Auf dem Weg zur digitalen Schule lauern klassische Fallen, die wir diskutiert haben:

Die Technik-Falle

Ein Computerraum macht noch keinen modernen Unterricht. Wenn wir digitale Geräte nur als „Instruktionsmaschinen“ nutzen, digitalisieren wir lediglich den alten Frontalunterricht

Die Pädagogik-Falle

Neue Medien führen nicht automatisch zu neuer Pädagogik. Erst wenn digitale Werkzeuge zur Individualisierung und Selbststeuerung genutzt werden, entsteht ein echter Mehrwert.

 

Die Delegations-Falle

Digitale Transformation ist mehr als das Schulfach «Medien & Informatik». Es betrifft alle Fächer und die gesamte Schulkultur.

Digitalisierung vs. Digitaler Wandel

Digital change is a journey, not a destination

(Actian Corporation)

 

Wir müssen zwei Begriffe scharf trennen:

  • Digitalisierung meint die Infrastruktur: WLAN, Geräte, Software. Das ist die Basis.
  • Digitaler Wandel (Transformation) ist umfassender: Er betrifft Haltungen, Lernkultur, Führung und Zusammenarbeit. Er ermöglicht es, Schule neu zu gestalten.

Es ist ein dauerhafter Entwicklungsprozess, kein Projekt mit einem fixen Enddatum.

Tools: Wo stehen wir eigentlich?

Um den digitalen Wandel nicht dem Zufall zu überlassen, braucht es eine ehrliche Standortbestimmung. Am ersten Input-Abend haben wir zwei Instrumente angeschaut, die helfen, den aktuellen Entwicklungsstand der Schule zu analysieren und blinde Flecken aufzudecken.

 

Der Kompass für den digitalen Wandel

Der von der PH Zürich entwickelte «Kompass für den digitalen Wandel» unterstützt Schulen dabei, die digitale Transformation ganzheitlich zu betrachten, und zwar weit über die technische Infrastruktur hinaus.

 

Der Ansatz: Mit einem Kartenset von 35 Themenfeldern werden verschiedene Dimensionen der Schule beleuchtet: von der Führung über die Medieninformatik bis hin zu Teamkultur und Haltung.

 

Die Anwendung: Das Tool eignet sich, um in Teams oder Gruppen zu prüfen, ob die eigene Digitalstrategie alle relevanten Bereiche abdeckt oder ob wichtige Aspekte (z. B. Ressourcen, Weiterbildung) vernachlässigt wurden. Es unterstützt dabei, Prioritäten für die nächsten Entwicklungsschritte zu setzen.

 

Digitalisierung Bildung; KI Bildung, Digitale Bildung, Kompetenzzentrum; KI; Bildungsforschung, Schule, Input-Abend 1

Unten im Materialbereich finden Sie alle nützlichen Links und Unterlagen zum Kompass für den digitalen Wandel.

Der Schul-Kultur-Würfel

Digitale Transformation ist immer auch kultureller Wandel. Der Schul-Kultur-Würfel der PHBern macht diese oft abstrakte «Kultur» greifbar.

 

Das Modell: Der Würfel betrachtet Schule dreidimensional anhand von Akteur*innen (z. B. Schulleitung, Schüler*innen), Aufgabenbereichen (z. B. Unterricht, Organisation) und der Zeit (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft).

 

Die Anwendung: Er dient als Denkmodell und Orientierungshilfe, nicht als normative Checkliste. In der Praxis hilft er Kollegien dabei, Spannungsfelder zwischen «Bewahren» und «Verändern» zu visualisieren.

Digitalisierung Bildung; KI Bildung, Digitale Bildung, Kompetenzzentrum; KI; Bildungsforschung, Schule, Input-Abend 1

Unten im Materialbereich finden Sie alle nützlichen Links und Unterlagen zum Schul-Kultur-Würfel.

Transfer: Vom Wissen zum Handeln

Wissen und Werkzeuge entfalten ihre Wirkung erst, wenn sie im Alltag angewendet werden. Deshalb wechselten wir im letzten Teil des Abends die Perspektive und wir wendeten den Blick weg von den theoretischen Modellen, um stattdessen die konkrete Realität im eigenen Schulhaus zu betrachten.

Arbeit in den Schulteams

Getreu dem Leitsatz «Digital change is a journey, not a destination», ging es darum, die nächste Etappe dieser Reise (un)verbindlich zu planen. Die Teilnehmer*innen zogen sich in ihren Schulteams zurück, um die Impulse aus den «Trends» und «Tools» zu reflektieren und auf ihre eigene Situation zu übertragen. Alle Teams erhielten den Auftrag, ein konkretes Ziel bzw. eine konkrete Idee zu formulieren, um dieses bis zur nächsten Veranstaltung am 18. März 2026 umzusetzen oder anzustossen.

Die Ergebnisse wurden auf grossen Post-It’s festgehalten und im Plenum präsentiert. Die anschliessende Diskussion brachte ans Licht, dass die Herausforderungen, die sich etwa bei der Erstellung eines M&I-Konzepts oder der Stärkung der internen Kommunikation stellen, vielfältig sind.

 

In den nachfolgenden Boxen werden ausgewählte Ziele einzelner Schulen dargestellt:

Gemeinsam mit der Schulleitung und den SMI den aktuellen Stand analysieren und mögliche Entwicklungsperspektiven klären.

Austausch über den aktuellen Stand, die Bedürfnisse sowie bestehende Hürden bei der Anwendung im Zyklus 1.

Auseinandersetzung mit den Anwendungskompetenzen des Lehrplans in Verbindung mit dem Kompass.

Regelmässige Kollegiumssitzungen zum Thema Digitalität planen und einbetten.

Kompasskarten sichten und im Team thematische Prioritäten festlegen.

Erhebung von Wissen und Unterstützungsbedarf der Lehrpersonen anhand ausgewählter Kompasskarten.

Eindrücke vom Abend

Die erste Veranstaltung endete nicht mit dem Gong, sondern mit einem Apéro, der nur der Verpflegung diente, sondern als erster Schritt zur stärkeren Vernetzung unter den Schulen. Denn der Austausch von Erfahrungen wird oft unterschätz.

Materialien

Folien

Schul-Kultur-Würfel

Auf der Website der PHBern finden Sie eine detaillierte Beschreibung des Tools, die durch informative Videos ergänzt wird.

Kompass für den digitalen Wandel

Auf der Website des Tools finden Sie eine detaillierte Beschreibung sowie eine zusätzliche Videoerklärung. Ausserdem können die Karten und Dokumentationen in unterschiedlichen Formaten heruntergeladen werden.

Schule und Digitalität

Die PHBern unterstützt Schulen, Schulleitungen und Behörden mit Beratung, Weiterbildung und praxisnahen Instrumenten (inkl. Datenschutz) dabei, den digitalen Wandel strategisch und operativ umzusetzen und eine Kultur der Digitalität zu stärken.