Virtual Reality Public Speaking Training

In Hochschulen ist das Präsentieren und Sprechen vor einem Publikum eine grundlegende Kompetenz. Damit Dozierende und Studierende ihre Kompetenz diesbezüglich erarbeiten und verbessern können, schlagen wir ein Training mit der VR Technologie vor.

Abstract

In Hochschulen ist das Präsentieren und Sprechen vor einem Publikum eine grundlegende Kompetenz. Damit Dozierende und Studierende ihre persönliche Kompetenz diesbezüglich erarbeiten und verbessern können, schlagen wir ein Training mit der Virtual Reality Technologie vor: das Virtual Reality Public Speaking Training (VRPST). Mit unserer wissenschaftlichen Studie möchten wir die Effektivität von diesem VRPST messen. Zudem planen wir den Vergleich mit einer (herkömmlichen) selbstgesteuerten Vorbereitung. Eine zweite Fragestellung betrifft die Akzeptanz der Anwenderinnen und Anwendern von VRPST.

 

Prozedur: Alle Versuchspersonen (N = 50) erhalten die gleichen Instruktionen. Ihre Aufgabe wird es sein, eine Kurzpräsentation (ca. 5 min freies Sprechen) vorzubereiten und anschliessend vor einem realen Publikum zu halten. Eine Hälfte der Versuchspersonen (Experimentalgruppe) bereitet sich mit VRPST auf die Kurzpräsentation vor. Die zweite Hälfte bereitet sich selbstgesteuert vor. In der letzten Phase des Experiments treten alle Versuchspersonen individuell vor einem realen Publikum auf und halten die Kurzpräsentation. Dabei wird eine Selbst – und Fremdbeurteilung durchgeführt.

 

Wir erhoffen uns durch diese Studie Erkenntnisse betreffend Effektivität und Akzeptanz von VRPST. Unsere Studie soll bestehende Lücken in der aktuellen Forschung zum Thema VRPST schliessen. Darum ist die valide Kontrollgruppe und das relativ grosse, reale Publikum nötig. Eine solche Studie fehlt bislang.

 

Unsere Erkenntnisse sollen erstens zur Verbesserung vom VRPST dienen und zweitens den Weg für die Anwendung von VRPST in verschiedensten Hochschulkontexten ebnen und legitimieren.

(Zwischen-) Ergebnisse und Infos zum Projektstand

Virtual Reality wird als Methode in der Forschung und Therapie schon über 20 Jahre verwendet. Man nutzt die Vorteile der a) kompletten Standardisierung (alle Versuchspersonen erleben exakt die gleiche virtuelle Situation), b) dass man Situationen virtuell operationalisieren kann, die real nicht möglich sind (z.b. die eigene Hautfarbe oder das Geschlecht verändern, mit dem eigenen Doppelgänger interagieren) und dass man c) Ort und Zeit unabhängig ist (man kann so viele Repetitionen eines Trainings machen, wie man will und wo man will). VR ermöglicht es, den User in eine medial vermittelte Welt einzutauchen und diese so zu erleben, als wäre sie real; hierbei spricht man von sogenanntem Presence-Erleben (vgl. Weber, Weibel & Mast, 2021).

 

Beide Autoren dieser BeLearnBooster-Eingabe haben langjährige Erfahrung in Forschung und Training mit VR und verschiedene Publikationen im Kontext von VR vorzuweisen (z.B. Bombari, Schmid Mast, Cañadas & Bachmann, 2015; Schmid Mast, Kleinlogel, Tur & Bachmann, 2018; Weber, Mast & Weibel, 2020a & b; Dobricki, Weibel, Angelini, Mugellini & Mast, 2020).

 

Virtual Reality Public Speaking Trainings (VRPST) wurden wissenschaftlich untersucht (z.B. Boetje & van Ginkel 2021; Poeschl, 2017 oder Palmas, Cichor, Plecher & Klinker, 2019). Die bisherigen Studien legen nahe, dass VRPST zumindest unter bestimmten Umständen effektiv sind. So konnte beispielsweise gezeigt werden, dass VRPST die Angst vor öffentlichem Sprechen mindern kann (z.B. Boetje & van Ginkel, 2021), dass ein VR-Training insbesondere dann funktionieren, wenn dieses ein computer-gestütztes Feedback beinhaltet (Van Ginkel, Ruiz, Mononen, Karaman, de Keijzer & Sitthiworachart, 2019) oder dass VRPST die Motivation (Buttussi & Chittaro, 2018) oder die Selbstwirksamkeit (Zhou, Fujimoto, Kanbara, & Kato, 2020) fördern kann.

 

Obwohl durchaus Forschungsergebnisse vorhanden sind, ist doch noch einiges unklar. So füllt unsere Studie mehrere Forschungslücken, indem wir
a) ein grösseres Publikum benutzen,
b) eine valide Kontrollgruppe hinzuziehen (auf diese Weise bereitet man sich normalerweise im Hochschulsetting vor – nämlich selbstgesteuert zu Hause),
und c) die Präsentationsleistung von einem realen Publikum beurteilen lassen.

 

Wir Autoren haben die Möglichkeit ein solches VRPST für die vorgeschlagene Studie zu Entwickeln bzw. vorhandene Versionen zu Studienzwecken zu adaptieren. Auch entsprechende Laborräume stehen uns zur Verfügung.

Translation

Das Präsentieren vor einem Publikum ist eine Basiskompetenz. In allen Bereichen einer Hochschule, bei der Ausübung von pädagogischen Tätigkeiten und in unzähligen anderen beruflichen Settings ist es elementar, vor einer Gruppe von Menschen aufzutreten zu können. Studierende präsentieren in Seminaren vor Kommilitoninnen und Kommilitonen, Dozierende vor Studierenden, Lehrpersonen vor Schülerinnen und Schülern oder – z.B. im Rahmen eines Elternabends oder einer Informationsveranstaltung – vor Eltern oder anderen Lehrpersonen. In Sitzungen soll man Ideen vor Kolleginnen, Kollegen oder Projekte für Kundinnen und Kunden darstellen.

 

Sicheres Auftreten vor einem Publikum kann jedoch eine Herausforderung darstellen und benötigt Übung. Allerdings ist es aufwändig und u.U. gar nicht möglich, eine Präsentation mündlich vor einem Publikum zu trainieren. Eine ökologisch valide bzw. realitätsnahe Möglichkeit hierzu bieten Virtual Reality (VR) Simulationen. Inwiefern solche Simulationen tatsächlich unterstützend wirken können, möchten wir im vorliegenden Projekt erforschen. Unser Ziel ist es, den Einfluss eines Virtual Reality Trainings auf die Auftrittskompetenz zu untersuchen. Die Anwenderinnen und Anwender des Virtual Reality Public Speaking Training (VRPST) sollen die Möglichkeit bekommen, sich in einem geschützten Raum vor einem virtuellen Publikum (bestehend aus Avataren) vorbereiten zu können. Ziel ist es, durch wiederholtes Üben ein sicheres Auftreten zu erlangen.

 

Wir wollen mit dieser Studie überprüfen, ob das VRPST einen positiven Effekt auf die objektive Präsentationsqualität und die subjektive Kommunikationskompetenz hat und von den Anwenderinnen und Anwendern akzeptiert wird. Die Befunde sollen als Grundlage für allfällige Verbesserungen des VRPST dienen und aufzeigen, wie und wo ein Einsatz von VRPST in der Hochschulbildung Sinn macht.

 

Beteiligte Personen

Beteiligte Institutionen

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