Virtuelles Bewerbungstrainingstool: Implementation und Evaluation in der Praxis (Arbeitsintegration)

VR (Virtual Reality)-Trainings als Bewerbungstrainingstool im Bereich der Arbeitsintegration mit Praxispartner GEWA Zollikofen.

Abstract

Kann Virtual Reality auch in der Praxis der Arbeitsintegration wertvolle Dienste leisten? Zusammen mit der GEWA in Zollikofen haben wir ein virtuelles Bewerbungsgesprächstraining getestet und evaluiert. Die Akzeptanz bei den Anwender*innen war hoch. Der Abbau von Ängsten und eine signifikante Leistungssteigerung konnten in der kleinen Stichprobe nicht nachgewiesen werden. Dennoch hat sich das Trainingstool in der Praxis bewährt – das berichten alle Involvierten.

(Zwischen-) Ergebnisse und Infos zum Projektstand

Projektbeschreibung

Zusammen mit der Praxispartnerin GEWA in Zollikofen haben wir ein virtuelles Bewerbungsgesprächstraining in der Arbeitsintegration getestet. Mit diesem Training können sich die Anwender*innen auf ein reales Bewerbungsgespräch vorbereiten. Im Training werden sie von einem Avatar (einer künstlichen, virtuellen Person) in der Rolle eines Personalverantwortlichen durch das Gespräch geführt.

Das Training wurde vom VR-Lab des Departements Soziale Arbeit der Berner Fachhochschule mitentwickelt. Evaluiert wurde nach der Implementierung einerseits die Leistung (wurden die Anwender*innen durch das Training besser?) und andererseits die Angst vor Bewerbungsgesprächen. Am wichtigsten war uns jedoch die Akzeptanz der Anwender*innen bezüglich dieses virtuellen Trainings.

 

Methode

Das Ziel unserer Studie war es, das virtuelle Bewerbungsgesprächstraining in der Praxis zu implementieren und zu evaluieren. Im Rahmen unserer Untersuchung stand die Nutzer*innenperspektive im Mittelpunkt, weshalb die Akzeptanz der Technologie erhoben wurde. Zusätzlich wurde die Leistung der Teilnehmenden in Vorstellungsgesprächen zu Beginn und am Ende des Trainings verglichen. Darüber hinaus interessierte uns die Frage, ob das Training dazu beiträgt, die Angst vor Bewerbungsgesprächen abzubauen.

Von 17 Personen liegen vollständige Datensätze vor. Das bedeutet, dass diese Personen (alle von der GEWA) das Training regelmässig über einen Zeitraum von fünf Wochen absolviert haben. Wir haben ein Video (T1) vom ersten Training und eines vom letzten (T2). Diese Videos wurden von geschultem wissenschaftlichem Personal beurteilt. Zusätzlich haben wir Self-Report-Daten über Bewerbungsangst bei den Anwender*innen erhoben und deren Akzeptanz gemessen («technology acceptance model» von Davis).

 

Ergebnisse

Im Rahmen unserer Untersuchung stand die Nutzer*innenperspektive im Mittelpunkt. Entsprechend hat uns die hohe Akzeptanz der Anwender*innen in allen drei gemessenen Dimensionen (einfache Handbarkeit, hohe Nützlichkeit und zukünftige Nutzung) gefreut.

Trotz der hohen Akzeptanz und damit des wahrgenommenen Nutzens des Trainings konnten wir in den Videos keine Leistungssteigerung nachweisen. Ein Vorher-Nachher-Unterschied konnte bei dieser kleinen Stichprobe nicht eindeutig gefunden werden. Gleiches gilt für die Reduktion der Angst. Auch hier gab es keine signifikanten Unterschiede. Offenbar war das Training für eine nachhaltige Desensibilisierung zu kurz. Die Gruppe der Probanden und Probandinnen war aufgrund der persönlichen Situation sehr heterogen und es gab eine hohe Zahl von Abbrüchen. Beobachten konnten wir auch Deckeneffekte in Bezug auf die Angst vor Vorstellungsgesprächen.

 

Die Rückmeldungen der GEWA-Coaches bestätigten die Annahme, dass ein professionelles Feedback fruchtbar und notwendig ist. Das Training wird daher eher als zusätzliches Training und nicht als Ersatz für die bisherige Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch gesehen.

 

Eine Folgestudie mit einer homogeneren Gruppe ist geplant.

Translation

Das hier implementierte und evaluierte virtuelle Training offenbart viel Potenzial. Man kann davon ausgehen, dass eine erweiterte und verbesserte Version in Zukunft in der Arbeitsintegration sinnvoll eingesetzt werden kann. Auch in Oberstufenklassen könnte das Training eine sinnvolle Verwendung finden.

Zusätzlich wird das Tool bereits in der Ausbildung im Bachelorstudiengang Soziale Arbeit verwendet.

 

Impuls 3 2023 (bfh.ch) Seite 21/22

 

Hauptansprechperson:

Manuel Bachmann

Ansprechperson(en)

Beteiligte Personen

Beteiligte Institutionen