Digitalisierung Bildung; KI Bildung, Digitale Bildung, Kompetenzzentrum; KI; Bildungsforschung, Schule, DigiPrim

Digitalisierung in Schweizer Schulen und die Auswirkungen auf Bildungsverläufe

Die Teams des ICER und der TREE-Studie der Universität Bern erforschten die Verbreitung digitalen Lernens an den Schweizer Primarschulen und die Auswirkungen der Digitalisierung auf Bildungsverläufe.

Laufzeit: Januar 2022 – Dezember 2024
Status: Abgeschlossen
Bildungsstufe: Primarstufe
Thema: Data Science for Education, Digital Skills & Literacy, Digital Tools
Keywords: Digitale Kompetenzen

Ausgangslage

In der Schweiz lagen bislang kaum aktuelle, empirisch abgesicherte Daten zum Stand der Digitalisierung an Primarschulen vor. Daher wusste man wenig darüber, wie gut Schulen technisch ausgestattet sind, wie intensiv digitale Technologien im Unterricht genutzt werden und welche Einstellungen Lehrpersonen, Eltern und Schüler*innen dazu haben. Zudem war unklar, in welchem Mass Unterschiede im privaten Zugang zu ICT (Informations- und Kommunikationstechnologien) bei Kindern aus verschiedenen sozialen Hintergründen zu schulischen Ungleichheiten beitragen. Auch fehlten gesicherte Erkenntnisse darüber, ob digitale Kompetenzen und ICT-Nutzung in der obligatorischen Schule langfristige Effekte auf nachobligatorische Bildungswege, insbesondere in der Berufsbildung und im MINT-Bereich, haben.

Ziele

Das Projekt verfolgte folgende Ziele:

  1. Aufnahme des derzeitigen Digitalisierungsstands in Primarschulen über technische Ausstattung, Nutzung, Einstellungen und wahrgenzogene Unterstützung auf technischer und pädagogischer Ebene.
  2. Untersuchung, ob und wie Unterschiede im privaten ICT-Zugang und -Nutzung bei Kindern verschiedener sozialer Herkunft schulische Leistungsunterschiede erklären.
  3. Identifikation von Schulen mit günstigen Bedingungen (Gelingensbedingungen) bezüglich erfolgreicher digitaler Integration im Unterricht und deren Zusammenhang mit Schulleistungen.
  4. Analyse der Wirkung von ICT Zugang, -Nutzung und -Kompetenzen auf den Übergang in nachobligatorische Ausbildungen, inkl. Geschlechterunterschieden.
  5. Erfassung langfristiger Auswirkungen insbesondere in MINT-Fächern.

Methode

Diese Ziele wurden konkretisiert in drei Arbeitspaketen:

  • WP1: Bestandsaufnahme (Fragebogen, Erhebung, Aufbereitung, Dokumentation, Archivierung),
  • WP2: Analyse und Bericht zum Digitalisierungsstand (Fragen 1–3),
  • WP3: Analyse der TREE-Daten zur Wirkung von ICT für Bildungsverläufe (Fragen 4–5).

Das Projekt nutzte eine standardisierte Online-Befragung: Etwa 4 500 Eltern und 275 Schulleitungen wurden im Rahmen einer Pilotphase (ÜGK 2024) befragt. Die Erhebung im Primarschulbereich erfolgte im Mai und Juni 2022. Der Fragebogen für Schulleiter*innen wurde in Kooperation mit PHBern (Reform@work) und EPFL LEARN entworfen. Die quantitativen Daten der Befragung sowie die Daten der Längsschnitt Studie TREE (Transitionen in nachobligatorische Ausbildungen) wurden mit quantitativen Analysemethoden ausgewertet. Die Daten wurden dokumentiert, aufbereitet und für die Forschung archiviert.

Ergebnisse

Die Befragungen bei Schulleitungen, Eltern und Schüler*innen lieferten ein differenziertes Bild des Digitalisierungsstands an Primarschulen. Die Daten erlauben es, Chancen und Risiken digitalen Unterrichts zu identifizieren und Gelingensbedingungen erfolgreicher ICT Integration auf Schulebene herauszuarbeiten. Ergänzende Analysen der TREE-Daten zeigten, wie ICT Nutzung, -Praxis und -Kompetenzen in Schule und privatem Umfeld mit Übergangsprozessen in nachobligatorische Bildungswege zusammenhängen. In speziellen Auswertungen ergaben sich geschlechtsspezifische Muster: So hängt bei Mädchen das Interesse an ICT stärker mit dem Eintritt in ICT-intensivere Berufe zusammen, während bei Jungen eher das ICT-Selbstkonzept die Berufswahl in ICT-Spezialberufe prognostizierte.
Weiter wurden Treiber und Barrieren der ICT-Integration identifiziert: Neben engagierten Lehrpersonen sind Lehr- und Lernmittel zentrale Faktoren. Der Projektbericht zeigt typische Kombinationen von Hemmnissen auf, welche erklären, warum manche Schulen in der Digitalisierung noch nicht stark vorangekommen sind, und liefert konkrete Massnahmenempfehlungen. Genauere Informationen zu den Ergebnissen sind hier in den Berichten und wissenschaftlichen Publikationen zu finden.

Umgesetzte Translation

Die Translation der Projektergebnisse wurden auf mehreren Wegen angegangen: Erstens wurden die erhobenen Daten für die Forschungsgemeinschaft verfügbar gemacht (Archivierung bei SWISSUBase, wissenschaftliche Nutzung). Zweitens erfolgte eine ausserwissenschaftliche Vermittlung der Resultate an Akteur*innen aus Bildungspolitik, Verwaltung und Praxis: über Präsentationen in Schulen, Workshops, Vorträge und Veranstaltungen mit Schulleitungsverbänden und Bildungsbehörden. Dabei lag der Fokus auf den identifizierten Gelingensbedingungen und dem Zusammenhang von Digitalisierung mit Schüler*innenkompetenzen. Die Erkenntnisse dienten zudem als Grundlage zur Entwicklung datengestützter Interventionen und Instrumente für schulische Digitalisierungsstrategien. Zudem unterstützte das Projekt den Dialog mit politischen Entscheidungsträger*innen (z. B. EDK / Kosta HarmoS), wodurch die Fragebögen und das Design der Hauptbefragung sowie Feldzugänge abgesichert wurden.

Die Nutzniesser*innen des Projekts umfassen die Bildungspolitik (EDK, Kantone), kantonale Bildungsverwaltungen mit Digitalisierungsinteresse, Schulleitungen auf Primarstufe sowie interessierte Eltern, insbesondere mit Blick auf digitalen Mediengebrauch in Schule und Zuhause. Auf Forschungsebene liefert das Projekt nationale und internationale Impulse, insbesondere für Studien zu Digitalisierung an Primarschulen und Übergängen in nachobligatorische Bildung. Die publizierten Berichte und die Dateninfrastruktur schaffen eine langfristige Basis für evidenzbasierte Entscheidungen und Interventionen zur Förderung digitaler Kompetenzen im Schulwesen.

Publikationen

Herzing, J. M. E., & Röhlke, L. (2024). DigiPrim – Der Status quo der Digitalisierung auf der Primarstufe (Version 1.0). Interfaculty Centre for Educational Research (ICER), University of Bern. https://doi.org/10.48350/193898

Röhlke, L., & Herzing, J. M. E. (2024). Vorsprung von Anfang an? Familiärer Hintergrund und digitale Anwendungskompetenzen von Schülerinnen in der Deutschschweiz am Ende des Zyklus 1.* Interfaculty Centre for Educational Research (ICER), University of Bern. https://doi.org/10.48350/198371

Röhlke, L., & Herzing, J. M. E. (2024). Regeln, Richtlinien und Massnahmen zum Umgang mit digitalen Medien an Schweizer Primarschulen (Version 1.0). Interfaculty Centre for Educational Research (ICER), University of Bern. https://doi.org/10.48620/76235

Herzing, J. M. E., Wicki, T., & Röhlke, L. (2025). Treiber und Barrieren der ICT-Integration auf der Primarstufe (Version 1.0). Interfaculty Centre for Educational Research (ICER), University of Bern. https://doi.org/10.48620/85024

Hlosta, M., Herzing, J. M. E., Seiler, S., Nath, S., Keller Zai, F., Bergamin, P., & Erzinger, A. B. (2024). Analysis of process data to advance computer-based assessments in multilingual contexts. In M. Sahin & D. Ifenthaler (Eds.), Assessment analytics in education: Design, methods and solutions (pp. 207–233). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-031-56365-2_11

Röhlke, L. (2025). Socioeconomic disparities in Swiss children’s use of digital technology: A typological approach based on parental reports. Journal of Children and Media, 19(Online First). https://doi.org/10.1080/17482798.2025.2464841

Röhlke, L., Herzing, J. M. E., Gomensoro, A., & Krebs-Oesch, D. (2024). ICT interest and ICT self-concept as determinants of adolescents’ vocational choices: Implications for gender segregation in the labor market. SocArXiv. https://doi.org/10.31235/osf.io/spjvb

Röhlke, L. (2024). Changes in early adolescents’ time use after acquiring their first mobile phone: An empirical test of the displacement hypothesis (University of Bern Social Sciences Working Paper 49). University of Bern, Department of Social Sciences. https://doi.org/10.48350/199760

Herzing, J. M. E., Röhlke, L., & Erzinger, A. B. (2023). DigiPrim as an add-on study of the ÜGK / COFO / VECOF 2024 (HarmoS 4) Field Trial 2022: Study description. Interfaculty Centre for Educational Research (ICER), University of Bern. https://doi.org/10.48350/183647

Herzing, J. M. E., Röhlke, L., Seiler, S., & Erzinger, A. B. (2023). ÜGK / COFO / VECOF 2024 (HarmoS 4) Field Trial 2022, add-on study DigiPrim, School Principal / School Sites Data [Dataset]. FORS Data Service (Ed.). https://doi.org/10.48573/mmej-ce93

Herzing, J. M. E., Röhlke, L., Seiler, S., & Erzinger, A. B. (2023). ÜGK / COFO / VECOF 2024 (HarmoS 4) Field Trial 2022, add-on study DigiPrim, Parent Data [Dataset]. FORS Data Service (Ed.). https://doi.org/10.48573/nbjh-1088

Röhlke, L. (2023). Children’s unequal use of digital technology – The nuanced role of (socioeconomic) context. BELONG Blog, University of Oslo.

Röhlke, L., & Herzing, J. M. E. (2024). Collecting occupational information from young children – Coding procedures and data quality. Interfaculty Centre for Educational Research (ICER), University of Bern. https://doi.org/10.48620/36431

Projektleitung

Digitalisierung Bildung; KI Bildung, Digitale Bildung, Kompetenzzentrum; KI; Bildungsforschung, Schule, DigiPrim
Dr. Jessica Herzing Interfaculty Centre for Educational Research (ICER), Universität Bern

Projektmitarbeit

Digitalisierung Bildung; KI Bildung, Digitale Bildung, Kompetenzzentrum; KI; Bildungsforschung, Schule, DigiPrim
Dr. Andrea Erzinger Interfaculty Centre for Educational Research (ICER), Universität Bern
Digitalisierung Bildung; KI Bildung, Digitale Bildung, Kompetenzzentrum; KI; Bildungsforschung, Schule, DigiPrim
Prof. Dr. Ben Jann Institut für Soziologie, Universität Bern
Digitalisierung Bildung; KI Bildung, Digitale Bildung, Kompetenzzentrum; KI; Bildungsforschung, Schule, DigiPrim
Leo Röhlke Interfaculty Centre for Educational Research (ICER), Universität Bern
Digitalisierung Bildung; KI Bildung, Digitale Bildung, Kompetenzzentrum; KI; Bildungsforschung, Schule, DigiPrim
Dr. Sandra Hupka-Brunner Institut für Soziologie, Universität Bern
Digitalisierung Bildung; KI Bildung, Digitale Bildung, Kompetenzzentrum; KI; Bildungsforschung, Schule, DigiPrim
Dr. Thomas Meyer Institut für Soziologie, Universität Bern
Digitalisierung Bildung; KI Bildung, Digitale Bildung, Kompetenzzentrum; KI; Bildungsforschung, Schule, DigiPrim
Thomas Wicki Interfaculty Centre for Educational Research (ICER), Universität Bern

Beteiligte Institutionen